Bauanleitung für Weidenpfeifchen:
Im Frühling, wenn alle Pflanzen blühen und voll im Saft stehen, ist die beste Zeit, um ein Weidenpfeifchen zu bauen. In dieser Bauanleitung möchte ich Euch zeigen, wie man eine solche Pfeife aus Weidenholz schnitzt. Ob man Erfolg hat, kommt auf viele Kleinigkeiten an, insbesondere aber auf etwas Geduld und Sorgfalt.
Einige von Euch wissen sicherlich nicht, wie eine Weide aussieht. Weidenbäume sind als Strauch oft 6-10m hoch. Sie wachsen besonders häufig an Bächen oder auf feuchten Auen. Im linken Bild seht ihr eine Weide und die Blätter, sie sind 8-15cm lang und schmal (lanzettenförmig). Ihr erkennt sie im Frühjahr auch an den Weidenkätzchen. Ihre Zweige sind grüngelb bis blaugrün und rutenförmig. Mit dünnen Zweigen kann man auch Körbe flechten.
Sucht euch jetzt einen Zweig aus, der etwa gut 2 cm dick ist am inneren Ende. Achtet darauf, daß ihr nicht den zentralen Ast auswählt, sondern mehr einen Seitentrieb, der schnell nachwachsen kann.

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Sehr wichtig dabei ist, daß der Ast auf einer Mindestlänge von etwa 8 cm eine glatte Rinde hat, also keine Auswachsungen oder ähnliches. Insgesamt soll er 10-12 cm lang sein.
Sägt den daumendicken Ast (ca. 2 cm) ab. Achtet bitte darauf, daß ihr beim Absägen die Rinde auf der glatten Seite nicht einreißt - also rundrum sägen oder einschneiden - und gerade absägen! Die andere Seite müßt ihr dann auch absägen, dabei kommt es nicht so sehr auf Genauigkeit an.
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 Absägen des Weidenzweigs
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Jetzt schneidet ihr auf der glatten Seite die Rinde wie in der Zeichnung erkennbar an 2 Stellen ein: die erste oben am Mundstück ist etwa 1,5 - 2 cm vom abgeschnittenen Ende entfernt und sieht aus wie ein Halbkreis (näher zum Ende gerade (!!) und etwa 1/3 um den Ast herum, am längeren Ende im Halbkreis und schräg). Bitte genau arbeiten! Am hinteren Ende des Pfeifenteils mit glatter Rinde (ca. 8-10 cm) schneidet ihr die Rinde einmal gerade rundherum und bis auf das Holz durch.
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 Einschneiden des Weidenzweigs auf anderer Seite, Kerbe am Mundstück
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Nun kommt der wichtigste und kritischste Teil: die Rinde muß "weichgeklopft" werden. Dabei darf die Rinde auf keinen Fall springen! Also harten, glatten und ebenen Untergrund wählen, dann mit einem flachen Stein oder der flachen (!!!) Seite des Taschenmessers das Holz rundherum von vorne bis zum Einschnitt hinten weichklopfen.
Achtung: Das ganze funktioniert nur, wenn das Holz frisch ist und gut im Saft steht! .. und es kann auch mal 5-10 Minuten dauern.
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 "Weichklopfen" der Rinde rundherum
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Die Rinde sollte sich dann relativ leicht lösen und abziehen lassen. Am besten probiert ihr wiederholt und sehr vorsichtig, die Rinde mit der ganzen Handfläche abzudrehen. Wenn es nicht geht, weiterklopfen, irgendwann klappt es dann.
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 Vorsichtiges Abziehen der Rinde mit der ganzen Handfläche
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Auf keinen Fall mit Gewalt vorgehen, immer mit Geduld, sonst war alles umsonst.
Am Ende sollte es so aussehen wie hier im Bild, die Rinde sauber abgelöst vom Holz.
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 so sieht das abgezogene Rindenstück aus
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Als nächstes muß das Mundstück genau an der Stelle abgesägt werden, an der die Rinde vorne eingeschnitten wurde, bitte unbedingt gerade durchsägen.
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 Absägen des Mundstücks
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Der hintere Teil muß nun entgratet werden, das heißt die vordere Kante leicht rund schnitzen.
Dann entfernt bitte die Unreinheiten auf dem hinteren Holzteil, sodaß es zum Schluß ganz glatt ist. Es muß sich nachher in der Rinde hin und her bewegen lassen.
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 Wichtig: Entgraten des Stocks, kleine Unebenheiten entfernen
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Vom Mundstück muß jetzt ein flaches Stück, etwa 2-4 mm dick, abgeschnitten werden.
Die Schnitzarbeiten wären damit erledigt. Nun müßt ihr die Pfeife nur noch zusammensetzen.
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 ein flaches Stück vom Mundstück abschneiden
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Das Mundstück steckt ihr mit der abgeflachten Seite Richtung Pfeifenöffnung hinein. Wenn ihr richtig abgesägt habt, dann paßt es exakt zwischen die Öffnung und das Rindenende.
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 Mundstück in Rinde schieben
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So sollte es dann aussehen.
Schließlich schiebt ihr das hintere Holzteil der Pfeife in die Rinde. Es sollte noch beweglich sein.
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 Mundstück der Pfeife
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Jetzt ist die Pfeife fertig und kann gespielt werden.
Durch Verschieben des hinteren Teils könnt ihr die Tonhöhe verändern.
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 Einfügen des hinteren Teils
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Nachwort:
Inzwischen bekam ich mehrfach eMails bzw. Post zu dieser Bauanleitung. Es freut mich, daß ich anderen mit dieser Seite helfen kann, auch eine Weidenpfeife zu bauen. Das war auch der Grund für das Erstellen dieser Seite. Einen Brief von Harald H. aus Retz in Österreich möchte ich Euch nicht vorenthalten. Er teilte mir mit, daß in seiner Kindheit beim Weichklopfen der Rinde Reime aufgesagt wurden wie z.B.
"Pfeiferl, Pfeiferl geh, sonst hau ich dich in (den) Schnee, sonst hau' ich dich in (den) Schindergraben, dass di(ch) alle Hund(e) verzahn (= verschleppen)"
Wem das stufenlose Verschieben zur Regulierung der Tonhöhe nicht reicht, kann auch mehrere Löcher ausschneiden. Dann wird es fast schon eine Blockflöte mit mehreren Tönen. Das habe ich allerdings noch nicht ausprobiert.
Wer weitere Reime kennt, oder wer mehr weiß über Weidenpfeifchen und Bauvarianten, kann mir gerne eine Mail zusenden.
Bei Fragen und Anregungen bitte direkt mit Alois Mauthofer in Kontakt tretten.
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